Научная статья на тему 'Das Bild vom Zwerg in "Laurin" und "der Blendung"'

Das Bild vom Zwerg in "Laurin" und "der Blendung" Текст научной статьи по специальности «Языкознание и литературоведение»

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Ключевые слова
ГНОМ / КАРЛИК / ЛАУРИН / НЕМЕЦКИЙ ЭПОС / КАНЕТТИ / ОСЛЕПЛЕНИЕ / DWARF / LAURIN / GERMAN EPOS / CANETTI / AUTO-DA-FE

Аннотация научной статьи по языкознанию и литературоведению, автор научной работы — Марал О.М.

Данная статья посвещена теме образа гнома в «Лаурине» и «Ослеплении» в литературном дискурсе на примере романа Элиаса Канетти «Ослепление» и эпоса «Лаурин». История немецкого языка является дисциплиной, чьи вопросы и проблемы еще не вполне рассмотрены. Цель данной работы конкретизирована в следующих задачах: дать определение понятия «Карлик»/ «Гном» и его позицию в литературоведении. Также провести анализ изображения карликов в вышеназванных произведениях, кроме того указать на их различия в соответствии с эпохой написания.

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ОБРАЗ ГНОМА В "ЛАУРИНЕ" И В "ОСЛЕПЛЕНИИ"

This article is devoted to the topic of the portrayal of the gnome in “Laurin” and “Auto-da-Fe” in literary discourse on the example of Elias Canetti’s novel “Auto-da-Fe” and the German eposLaurin”. The history of the German language is a discipline which questions and problems are not yet fully considered. The purpose of this work is specified in the following tasks: To define the concept “Dwarf” / “Gnome” and its position in literature. It is also to analyze the image of dwarves in the above-mentioned works, in addition to indicate their differences in accordance with the era of its writing.

Текст научной работы на тему «Das Bild vom Zwerg in "Laurin" und "der Blendung"»

zu der Tür, welche ihr zwar neu vorkommt, ist aber die gleiche gewesen. Das wird in der folgenden Situation geschildert: И, как ни странно, первая же дверь отперлась, девушка скользнула в квартиру и захлопнула за собой дверь. [5, S. 117]. Wobei sie in dieser „neuen" Wohnung die wohl bekannten Männer wieder trifft.

7 Rückkehr. Der letzte Punkt, welcher für uns relevant ist, ist der Prozess der Rückkehr in den physischen Körper. Das Zurückkommen wird sowie bei Moody, als auch bei Petrusevskaja zur Sprache gebracht. Moody unterscheidet dabei zwei Typen der Patienten - die ersten waren mit ihrem jenseitigen Existieren sehr zufrieden und wollten nicht zurückkommen. Die anderen dagegen haben sich im Laufe dieses „Beinah-Tod" Erlebnisses an die Sachen oder Menschen erinnert, welche sie nicht verlassen konnten. Die wenigen sind sich sicher gewesen, dass ihr eigener Entschluss, in ihren physischen Körper und ins irdische Dasein zurückzukehren, dabei den Ausschlag gegeben habe [3, S. 74-79]. Ein Betroffene beschreibt den Prozess der Rückkehr auf solche Art und Weise: „Ich weiß nicht mehr, wie ich in meinen Körper zurückgelangt bin. Mir war, als ob ich mit einem Mal hinweggetrieben würde und einschliefe -und dann beim Erwachen fand ich mich plötzlich im Bett wieder" [3, S. 78]. In der Erzählung Schwarzer Mantel kommt dieses Thema zuerst bei der älteren Heldin vor. Zuerst erinnert sie sich an ihr „voriges Leben" in der reellen Welt: С этой последней спичкой выпадение памяти прошло. Теперь я вспомнила всю свою жизнь и считаю, что была неправа. Я смеюсь над собой [5, S. 116]. Und sie kommt selber darauf, was sie an reelle Welt noch bindet: Мне ещё кажется, что мои дети любят меня. Что они будут плакать. Что они будут никому на свете не нужны, ни их отцу, ни его новой жене [5, S. 116]. Sie sieht es klar, wie klein und hilflos ihre Kinder sind, um ohne Mutter bleiben zu können. Deswegen ändert sie ihre Meinung und ist bereit, zurück ins Leben zu kommen - abgesehen von Sachen, welche sie aufzählt, welches ihr in der jenseitigen Welt so gut gefällt. Nachdem sieben oben genannte Punkte anhand beider Werke analysiert und verglichen wurden, kann behauptet werden, dass es bei mehr präziser Analyse noch mehrere Ähnlichkeiten auftauchen würden. Diese Tatsache gibt uns die Möglichkeit, weitere Forschungen auf dem Gebiet zu unternehmen und weitere theoretische sowie praktische Literatur dazu heranzuziehen. Jenseitsdarstellung ist ein wichtiges Objekt der Untersuchungen der Literaturwissenschaft. Infolgedessen ist die Stellung der Thanologie mit der Jenseitsdarstellung als Hauptproblem im Rahmen der Linguistik und Literaturwissenschaft sehr aktuell. Als eine junge Disziplin, deren Fragen und Probleme noch nicht vollständig untersucht sind, bereitet sie eine Breite für weitere Forschungen vor. Das Problem der Jenseitsdarstellungen bei L. Petrusevskaja stellt breite Perspektive dar und lässt sich anhand der weiteren theoretischen Werken und praktisch gezielten wissenschaftlichen Arbeiten weiter untersuchen.

Literaturverzeichnis

1 Raymond A. Moody: About Raymond Moody (2005). URL: http://www.lifeafterlife.com/AboutRaymondMoody.html

2 Chubicka I: Gorodskie toposy v skazkach L. Petrusevskoj. //Актуальна проблеми слов'янськоГ фтологп, 2010, Nr. XXIII. - S. 311-321.

3 Moody, Raymond A. : Leben nach dem Tod. BerlinDarmstadt-Wien: Rowohlt Verlag GmbH 1977.

4 Pan, Lilja: Zapretnaja zona Ljudmily Petrusevskoj. //Novyj mir, 2008, Nr. 12.

5 Petrusevskaja, L.: Gde ja byla. Moskau: Vagrius 2002.

6 Prochorova, T.G.: Mistitscheskaja real'nost' vproze L. Petrusevskoj. In: Russkaja slovesnost', 2007, Nr. 7.

7 Weber, Prof. Dr. Hartwig: Lexikon Religion. Hamburg: Nikol Verlagsgesellschaft mbH&Co.KG 2006.

УДК 821.112.2 О.М. Марал

Венский государственный университет факультета педагогики, славистики и германистики, Вена

образ гнома в «лаурине» и В «ослеплении»

Аннотация. Данная статья посвещена теме образа гнома в «Лаурине» и «Ослеплении» в литературном дискурсе на примере романа Элиаса Канетти «Ослепление» и эпоса «Лау-рин». История немецкого языка является дисциплиной, чьи вопросы и проблемы еще не вполне рассмотрены. Цель данной работы конкретизирована в следующих задачах: дать определение понятия «Карлик»/«Гном» и его позицию в литературоведении. Также провести анализ изображения карликов в вышеназванных произведениях, кроме того указать на их различия в соответствии с эпохой написания.

ключевые слова: гном, карлик, Лаурин, немецкий эпос, Канетти, Ослепление.

O.M. Maral

Programm Pedagogic, Russian and German language at the departments of Pedagogics, Slavic and German languages of the Vienna University, Vien

DAS BILD VOM ZWERG IN «LAURIN» UND«DER BLENDUNG»

Abstract. This article is devoted to the topic of the portrayal of the gnome in "Laurin" and "Auto-da-Fe" in literary discourse on the example of Elias Canetti's novel "Auto-da-Fe" and the German epos "Laurin". The history of the German language is a discipline which questions and problems are not yet fully considered. The purpose of this work is specified in the following tasks: To define the concept "Dwarf" / "Gnome" and its position in literature. It is also to analyze the image of dwarves in the above-mentioned works, in addition to indicate their differences in accordance with the era of its writing.

Key words: Dwarf, dwarf, Laurin, German epos, Canetti, Auto-da-Fe

Das Mittelalter ist als Übergangszeit von der vorchristlichen, dunklen und mit der Gottlosigkeit überschattenden Welt zur Welt des Lichtes, der kirchlichen Herrschaft, bekannt. Dieser Übergangsperiode vom Heidentum zum Monotheismus sind die mystischen Motive und die Beschreibungen der Wunder und märchenhaften Sachen bzw. Lebewesen eigen. Der Begriff „Zwerg" besaß in dieser Zeit nach Duden [5, S. 837] die Bedeutung „Trugwesen" oder „Gespenst", welche aber in der heutigen Wissenschaft als unsicher gilt. Demzufolge wird „Zwerg" laut Duden als etwas Jenseitiges, Mystisches, mit der Realität nicht Verbundenes definiert.

Da die von Duden vorgeschlagene Variante nicht ausreichend zu sein scheint, werden die universalen lexikografischen Werke herangezogen, um den Begriff „Zwerg" zu erläutern. Dieses polysemantische Lexem wird in den Nachschlagewerken unterschiedlich definiert. Im Österreichischen Wörterbuch werden zwei wichtige Seme des Wortes „Zwerg" unterschieden: Die Darstellung einer Märchen- und Sagenfigur wird einer abwertenden Bedeutung "kleinwüchsiger Mensch" gegenübergestellt [7, S. 734]. Das Dämonische wird von Anderson mit dem Hinweis auf das sanskritische Wort dhvaras, welches als Epitheton zu einem dämonischen Wesen Druh verwendet wurde, betont [4, S. 181]. Wahrig gibt eine erweiterte Erläuterung des Begriffs „Zwerg", wobei er die Zugehörigkeit zu dem märchenhaften und reellen streng unterscheidet: In der ersten Bedeutung ist Zwerg ein LMyth.L sehr kleines, im Wald, meist unter der Erde lebendes Männchen, meist alt und mit Bart. In der zweiten Bedeutung kommt Zwerg als ein sehr kleiner Mensch vor [9]. Dabei werden die genauen äußerlichen und innerlichen Eigenschaften eines Zwerges nicht erwähnt, welches eine breite Perspektive für Untersuchungen ermöglicht.

Damit die Vorstellung ausführlicher wird, müssen die wichtigsten Merkmale eines Zwerges genannt werden. Laut Afanassjew, welcher einen skandinavischen Mythos zitiert, sind die Zwerge mit der Abstammung von Würmern im Leiche des Riesen Imirs verbunden [3, S. 874]. Die Eigenschaften eines Zwerges werden im Buch Slavjanskaja mifologija bei Alexander Afanassjew folgendermaßen beschrieben: Das äußere Erscheinen eines Zwerges wird als „in der Größe eines Kleinkindes" definiert [3, S. 875]. Von Afanassjew werden zwei Haupttypen von Zwergen unterschieden: Die „hellen", guten Zwerge und die „dunklen", bösartigen Zwerge. Zum ersten Typ kann Laurin gezählt werden, welcher mit den Begriffen „Reichtum" und „Gold" identifiziert werden kann. Böse Zwerge sind laut Afanassjew dunkel gekleidet und nachtaktiv, sie sind alt und hässlich. Die bösen Zwerge haben blasse faltige Gesichter, große Nasen, glänzende Augen, unproportionierte Glieder und meistens einen Buckel. Canettis Fischerle gehört unbestritten zu dem zweiten Typ der bösen Zwerge. 84

Zum Areal der Zwerge werden die wilden, schwer zu erreichende Höhlen gezählt, sie führen ein unterirdisches Leben unter dem Bergmassiv [3, S. 876]. Als eine wichtige Eigenschaft eines Zwerges als unterirdisches Wesen zählt seine Verbindung zum Gold. Zwerge besitzen zahlreiche Edelsteine, Edelmetalle und andere wertvolle Sachen und sind als Bergarbeiter bekannt. Oft werden sie auch als Diebe dargestellt, die trotz ihres Reichtums Gold stehlen [3, S. 878-881]. Diese Ambivalenz wird bei den Zwergen durch die Mischung von Gut und Böse, Gerechtigkeit und Listigkeit ausgedrückt. Mal schützen sie ihre Nächsten und sind großzügig, mal können sie aber auch stehlen, gierig, rächend und eigensinnig sein. Eine besondere Stellung nimmt die Listigkeit der Zwerge ein. Ein Zwerg besitzt einen bösen Charakter, sein buckeliges Aussehen wird mit hinterhältigen Gedanken verbunden: Von Afanassjew wird folgende etymologische Reihe Zwerg = dvergr = dhvaras vorgeschlagen, wobei das letzte Lexem die Bedeutung „ungerade, ungerecht" hat. Zu den Attributen eines Zwerges gehört vor allem die Tarnkappe, welche in der Natur einer Wolke entspricht: Eine Wolkenkappe tarnt den Blitz (welcher den Zwerg verkörpert), welcher demzufolge verschwindet.

Es ist schwer, die Entwicklung des Lexems „Zwerg" nur mit Hilfe der lexikographischen Werke zu verfolgen. Um den Unterschied zwischen der Darstellung der Zwergfigur im Mittelalter und im Neuhochdeutsch klar darzulegen, müssen die entsprechenden literarischen Werke herangezogen werden. In der deutschen Epik treten skandinavische Zwerge auf, wo sie unter dem Namen dvergr bekannt sind, dies bedeutet laut Falk „verderbliches Wesen" [6, S. 215] (Vgl. Afanassjew [875]). In dem deutschen Sprachraum wird das Bild des Zwerges vor allem in den epischen Werken wie Das Nibelungenlied und in der Dietrich-Epik dargestellt. Der kämpferische Wettbewerb zwischen Dietrich und einem sagenhaften Zwerg wird in dem epischen Werk Laurin, zwischen dem 14. und 15. Jh. Geschrieben [8, S. 13] geschildert. Laurin ist ein Zwergkönig, welcher als ein ordentlicher weltlicher Herrscher eine Vielzahl an Untertanen hat und über einen großen Besitz verfügt. Von einem durchschnittlichen Menschen als König wird er durch folgende Sachen unterschieden: Durch den Besitz einer Tarnkappe und eines magischen Gürtels, welcher ihm ermöglicht, außerordentlich stark zu sein. Das Motiv der Tarnkappe zieht sich wie ein roter Faden durch die europäische Epik, genauso wie andere magische Gegenstände (Vgl. Nibelungenlied, Beowulf, Edda). Neben den magischen Eigenschaften wird Laurin von Dyterich und anderen Helden durch seine religiöse Zugehörigkeit unterschieden (er ist ein Heide). Dadurch wird er auch in seinem Willen, eine Christin zu heiraten, verhindert.

Seine zweite, mit der früheren nicht übereinstimmende Bedeutung vom „kleinwüchsigen Mann" hat das Wort „Zwerg" viel später bekommen, welches nicht nur aus den lexikographischen Quellen zu entnehmen ist, aber anhand der weltliterarischen Dar-

stellungen zu beweisen ist: Der legendäre, unter der Erde lebende Gnom mit dem langen Bart, wird durch einen kleines, nicht nur von innen, sondern auch von außen unattraktives abscheuliches Wesen, oft buckelig, ersetzt. Der Zwerg Nase von Hauff, Fischerle bei Canetti, und als Apotheose - Oskar Matzerath bei Grass, bilden eine Klimax, welcher im Laufe der Zeit die Anzahl von negativen Eigenschaften einer Zwergfigur vermehrt beinhaltet.

Für die vorliegende Analyse wurde der Roman von Canetti ausgewählt, weil die Figur von Fischerle eine groteske Gegenüberstellung zu Laurin zu sein schien, wobei die beiden unbestritten zu den Zwergen zählen. Canetti hat seine handelnden Personen wie sein russischsprachiger Lieblingsautor N.V.Gogol auf übertriebene Art dargestellt. Seine Ironie weist ebenso boshafte Züge auf [1, S. 190]:

Durch die Mundwinkel, die rechts und links von der Nase zuckten, bewies er endlich die Existenz seines Mundes.

Außerdem nannte der Autor diesen Siegfried und dieser heldenhafte Name klingt ironisch in Bezug auf den kleinen hässlichen listigen Mann. Er besitzt keine Tarnkappe, um seinen Feinden auszuweichen. Fischerle ist keinerlei eine magische Figur wie Gimli oder Laurin. Er ist ein einfacher sterblicher Mensch, welcher in der grausamen Welt seine Stellung zu finden versucht. Und im Unterschied zu seinen mittelalterlichen literarischen Vorfahren, hat er keinen Groschen und hat nicht einmal eine Höhle in den Bergen - sogar Fischerles Unterkunft wird von seiner Frau bezahlt.

Dies führt zu einer zentralen Frage: Inwiefern unterscheidet sich das Bild Laurins von Canettis Fischerle?

Die vergleichende Analyse vom Zwerg in Laurin und in Die Blendung wird nach bestimmten Kriterien vorgenommen. Es werden die sprachlichen (deskriptiven) Aspekte (das Äußere, die Rhetorik, die im Text beschriebenen Charakterzüge) und die außersprachlichen Aspekte (das Phantastische und die Realistik, Änderung des Status vom Zwerg zum Menschen, List, Frage der Macht, Status als Zwerg (Zufriedenheit oder Unzufriedenheit), Heirat mit einer Menschenfrau, Diskriminierung in der Gesellschaft) schrittweise veranschaulicht.

Das Erscheinungsbild Laurins und Fischerles wird in beiden Texten exakt geschildert. Dietrich nennt Laurin „du cleyner man", welches seine Größe gegenüber den Menschen deutlich bestimmt. Fischerle wird ausführlich von Kien beschrieben: Er wird „ungeheuerer Buckel", „der Besitzer des Buckels", „ein Zwerg" genannt. Sein Äußeres wird auf folgende Weise geschildert [1, S. 189-190]:

Der Mund war so klein wie der Mann, nur - er war nicht zu finden. Keine Stirn, keine Ohren, kein Hals, kein Rumpf - dieser Mensch bestand aus einem Buckel, einer mächtigen Nase und zwei schwarzen, ruhigem, traurigen Augen.

Das Areal der Habitation des Zwerges entspricht auch den Vorstellungen von Afanassjew: Laurin und

seine Zwerge leben in den Höhlen „in den holen bergen, // do phlegen dy getwerge" [2, S. 6]. Fischerle lebt auch in seiner pathetischen „Höhle", wobei er entweder zu Hause oder in dem Lokal „Zum idealen Himmel" sein ganzes Leben verbringt und seine Träume auslebt.

Die Rhetorik der beiden literarischen Helden betreffend, wird die Neigung zur negativen Äußerungen den anderen Figuren gegenüber betont. Nachdem sein Rosengarten verwüstet ist, werden Dietrich und Wytich von Laurin Esel genannt („Wer hat uch esel, des gebeten" [2, S. 28]). Fischerle drückt sich ebenso nicht höflich aus: So können häufig Wörter wie „ein Tepp" oder „Blödheit" in seiner Rede vorgefunden werden. Wichtig ist dabei zu erwähnen, dass in den ruhigen Situationen beide Charaktere sich schön ausdrücken können und sogar die gehobene Sprache beherrschen. Beim ersten Treffen mit Kien hat Fischerle ausschließlich Wienerisch gesprochen („Wie gehen die Geschäften?" „Bin ich a Hund?" „Fischerle is mein Name!" „A Neuigkeit, Leutln, a Neuigkeit" „I bin a Fischer - er is a Fisch!" [1, S. 190-191] und später verwendet er oft Hochdeutsch und spricht per Sie respektvoll: „Sie vielleicht, weil Sie ein reicher Mensch sind" [1, S. 212]. Ebenso besitzt er dieser Manieren: Nach einem Kasperlspektakel fragt er den Kien plötzlich ausgelassen: „Spielen Sie Schach?"

Die Ambivalenz von guten und bösen Zwergen wird folgendermaßen angedeutet: von Wetich wird Laurin „Teufel" genannt („Sin wolle den der tufelphlegen..." [2, S. 24]), wobei er vor beiden Helden als Engel erscheint. Fischerle wird dem Teuflischen zugeordnet, weil er sich durch keinen positiven Charakter auszeichnet. Er ist frech, listig, geldsüchtig, eigensinnig und brutal. Seine Brutalität hat die Auswirkung auf alle Leute, die ihm nahestehen (er wird von Kien als „rabiater Zwerg" [1, S. 191] bezeichnet), wobei der Hauptteil seiner psychopatischen Zustände sich gegen seine Frau richten [1, S. 192]:

Sie war ihm gleichgültig wie ein Stein. Er hielt sich an sie, weil sie ihm zu essen gab. Doch wenn sie seine Triumphkette zerriss, tanzte er wütend um sie herum und schlug sie in die wenigen empfindlichen Stellen ihres abgestrumpften Leibes.

Die Brutalität von Laurin wird vor allem in seinen Bedrohungen ausgedrückt für diejenigen, die seinen wunderschönen Garten angreifen wollten [2, S. 28]:

Uwer ichlicher gebe mir eyn phant, // den rechten vuz, dy linken hant.

Außerdem ist Laurin ein Ehrenmann, welches Dytherichunmittelbar zur Sprache bringt: „dez garten phliget eyn bider man".

Damit wird ein weiterer Aspekt angesprochen. Die Gegenüberstellung des Phantastischen im Mittelalter und des Realismus in der neueren deutschen Literatur kann mit folgenden Beispielen belegt werden. Laurin ist der sagenhafte König der Zwerge, welcher eine Tarnkappe besitzt und zaubern kann. Dies kann durch das folgende Beispiel aufgezeigt werden [2, S. 10]:

Dy getwerge sint yme undirtan. // Her ist eyn konig lobesam, // kune aller manne. // In deme Tyroldes

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tanne // hat ez geheyt so zcarte // eynen rosen garte. // Daz dy mure solde sin, // daz ist eyn vadin sidin.

Seine Untertanen sind die Zwerge, welche märchenhafte Figuren verkörpern, und sein Besitz ist ein wunderschöner Rosengarten, welcher den Ort des Magischen darstellt.

Canettis Fischerle hingegen ist eine reelle Figur mit keinen übernatürlichen Fähigkeiten. Das Einzige, welches den Roman Die Blendung vom Realismus abgrenzt, ist das Groteske, das wie ein roter Faden durch die gesamte Erzählung durchgezogen wird. Dies wird in dem folgenden Beispiel näher betrachtet: Fischerle wird dem Leser mit Hilfe einer Metonymie vorgestellt. „Da tauchte ein ungeheuerer Buckel neben ihm und fragte..." [1, S. 189]. Sprachlich- stilistische Mittel werden eingesetzt: Dem bewertenden Epithethon „ungeheurer" folgt eine Personifizierung. Ebenso wird das Komische hervorgehoben: „Wo war der Mund, aus dem er sprach?" [1, S. 189]. Fi-scherles Aussehen wird folgendermaßen geschildert: Er „hüpfte", „ein Zwerg", „der Besitzer des Buckels", „die Spitze der stark gebogenen Nase lag in der Tiefe des Kinns", „keine Stirn, keine Ohren, kein Hals, kein Rumpf - dieser Mensch bestand aus einem Buckel, einer mächtigen Nase und zwei schwarzen, ruhigen, traurigen Augen". Das Einzige, welches bei seiner Beschreibung nicht abscheulich wirkt, sind die Augen.

Die Helden in Laurin kommen in ein fremdes Land, um das sagenhafte Wesen zu treffen. Der Ruhm über seine Eigenschaften hat viele Länder erreicht. Fischerle ist in seiner Höhle von dem Lokal „Himmel" abgegrenzt, wo er seinen Ruhm alleine genießt. Dies kann man auch als grotesk bezeichnen.

Mit Hilfe des Grotesken wird eine gewisse Ironie ausgedrückt. Dies kann anhand des folgenden Beispiels verdeutlich/gezeigt werden [1, S. 201]:

... hier strebte ein reiner Geist in elendem Körper seit zwanzig Jahren danach, sich über den Schmutz seiner Umgebung zu erheben. [...]. Er spart, nicht aus Kleinlichkeit, er ist eine großangelegte Natur. . [...]. Von der Welt des Geistes hat er einen winzigen Zipfel gefaßt [!] und klammert sich daran mit der Kraft eines Ertrinkenden. [...]. Er bringt ein Buch mit nach Hause, um heimlich darin zu lesen, sie zerreißt es, daß [!] die Fetzen fliegen. Sie zwingt ihn, ihr seine Wohnung für ihre entsetzlichen Zwecke zur Verfügung zu stellen.

Die erhaltenen Informationen werden von Kien dahingehend verarbeitet, dass das Fischerles Schicksal an seine eigene Lebensgeschichte angepasst wird. Einen Dieb bezeichnet er als "reinen Geist" und "großangelegte Natur"; den Zwerg, der die Familie nicht unterstützt, sondern nur auf sich selbst achtet, wird als Opfer dargestellt, dessen Frau Geschäfte ohne Erlaubnis ihres Mannes führt. Kien äußert sich in gehobener Sprache über einen Menschen, welcher weder gut, noch klug ist. In Laurin hingegen gibt es eine Schilderung des Zwerges, die verschieden interpretiert werden könnte. Veranschaulicht durch das folgende Fragment [2, S. 26]:

„Got muzse unsers heyles phlegen! // Dyterich, liber geselle myn, // daz mag vil wol eyn engel sin, // 86

Sente Michel der wise, // und rit zu dem paradise." // Do sprach der von Berne: // „Den engel se ich gerne. // Den helm saltu binden baz, //ich vorchte, iz trage unser haz."

Angenommen, dass Zwerge klein und unproportioniert und alles andere als schön sind, ist es schwer zu glauben, dass Laurin einem Engel gleicht. Das Bild eines Engels ist üblicherweise von Ästhetik und Glanz geprägt. Wobei der Rosengarten sehr schön sein sollte, ist der Vergleich mit dem Paradies ebenso ironisch gefärbt. Andererseits kann der Vergleich mit dem St. Michael der Wahrheit entsprechen: Diesem Heiligen ist Zorn („Laurin sprach uz großem zcorn" [2, S. 26].), Kraft und Gnadenlosigkeit eigen. Laurin wird in dieser Szene als ein Heiliger beschrieben [2, S. 24] (Vgl. Afanassjew [875]):

Dyn nacht wart nye so tunkel, // ez luchte sam der tag // von dem (ge)steyne, daz an dem helme lag, // dar uffe eyne crone von golde, // sam sy got selber wnschen solde. // Uf der cronen obene // sungen wol dy vogele // in alle den geberden, // sam sy lebende weren. // Mit listen wart irdacht // und mit zcouber dar bracht. // Ez vurte eyn golt varwen schilt, // der wart mit sperin duchzcilt, // dar an von golde eyn lebart. // Sam her wolde an dy vart, // stunt her, sam her lebete //.

Zu einer der zentralen Charakteristika eines Zwerges gehört laut Afanassjew die Listigkeit, welche bei den zwei analysierten Werken verschieden geschildert wird. Wobei Laurin eher schlau und scharfsinnig ist, kommt die List bei Fischerle als eine negative Eigenschaft vor. Fischerle ist ein Lügner, Dieb und Halunke. Er erlaubt seiner Frau, Prostitution auszuüben, damit sie ihm das Geld für seinen Unterhalt und das Essen geben könnte. Er versucht jedem wohlhabenden Mann das Geld auf irgendeine Art und Weise zu stehlen. Bei Kien kann eine neue Variante des Diebstahls entdeckt werden, wobei er ein Team bildet und sie als Gruppe handeln. So wird auch eine gewisse Strebung von Fischerle nach der Kontrolle über die Menschen angedeutet.

Die Frage der Macht, die bei Canetti eine besondere Stellung einnimmt, indem er über 30 Jahre sein Traktat „Masse und Macht" geschrieben hat, ist in beiden analysierten Werken zentral. Laurin ist mächtig, Fischerle übt seine Macht über Kien und seine synthetische „Firma" aus. Laurin betont, dass er viel besitzt: „Ich han mer goldes wen uwer dri" [2, S. 30]. Fischerle stellt sich hingegen als arm dar: „Ich bin ein armer Teufel" [1, S. 195].

Das Problem des Reichtums und der Armut wird sowohl in Laurin als auch bei Canetti zur Sprache gebracht. Laurin ist ein wohlhabender König, welches in seiner Beschreibung geschildert wird [2, S. 18]:

Eyn getwerg mit swinden siten, // daz waz Laurin genant. // Eyn sper vurt iz an siner hant, // bewonden wol mit golde, // also iz eyn konig furen solde. // Vorne an deme sper sin, // do swebit eyn panir sidin, // dar an zcwene winde.

Dabei ist es wichtig, dass die Beschreibung von Gesteinen und Edelmetallen hervorgehoben wird. Dies unterstützt Afanasjews Aussage, dass Zwerge

in Verbindung mit Bergbau und Edelmetallen gebracht werden [2, S. 24]:

Sin helm waz rot guldin, // dar an lag manig rubin // und ouch der karfunkel.

Laurin ist ein echter Zwerg im Sinne des Wortes „Bergmännchen", er lebt im und ist mit seinem Schicksal als Zwergenkönig sehr zufrieden. Für Fischerle scheint sein Status als Zwerg eine große Last zu sein. Er fühlt sich als Zwerg unwohl. Dies wird dadurch klar, indem er von einer Reise nach Amerika träumt, wo er als reicher Mann mit einer schönen Blondine in einem Schloss leben und keine finanziellen Sorgen haben wird. Dies deutet seine Unzufriedenheit in verschiedenen Aspekten an: Als kleinwüchsiger Mann, als armer Teufel, als Mann einer Prostituierten und als nicht anerkannter Schachweltmeister.

Die Heirat der literarischen Figuren ist ein sehr wichtiger Aspekt. Für Fischerle ist die Heirat einerseits eine Erleichterung, weil er dadurch von allen finanziellen Problemen losgelöst worden ist; andererseits ist er mit einer unattraktiven alten Prostituierten verheiratet und leidet nicht nur als Mann eines Straßenmädchens, sondern auch als nicht anerkannter Schachspieler. Er erzählt Kien, dass er zur Heirat gezwungen wurde. Kunhilt hingegen wurde von Laurin mit Gewalt zur Frau genommen. Es ist auch unklar, auf welche Weise ihre Heirat vollzogen wurde: Einerseits erwähnt Laurin, dass sie noch eine Jungfrau ist („Kunhilt dy swester din, // dy ist noch eyn reyne meit, // dau wizze vor eyne warheii" [2, S. 76]), andererseits ist sie in seinem Bett gelegen. Die Beziehung zwischen Fischerle und seiner Frau wird klar definiert [1, S. 192]:

Sie stand ruhig da und ließ [!] sich, so stark sie war, von ihm alles gefallen. Es waren die einzigen ehelichen Zärtlichkeiten, die er ihr gönnte.

Laurin heiratet eine Christin und wird dadurch von der Gesellschaft akzeptiert. Die Heirat verändert seinen sozialen Status. Fischerle träumt davon, mit Hilfe seiner Gabe, Schach meisterhaft zu spielen und somit die Akzeptanz unter den Menschen zu finden.

Die Diskriminierung durch die Gesellschaft lässt sich wie folgt zeigen: Fischerle wird in der Gesellschaft abgelehnt, Laurin hingegen ist unter den Gleichaltrigen akzeptiert und mit seiner Position als Zwergkönig zufrieden. Die Menschen sind jedoch im Unrecht: Wetich und Dietrich zerstören den Rosengarten, zerstampfen die schönen Rosen, zerreißen den Seidenfaden ohne objektiven Grund [2, S. 30]:

„Waz hat ir gerochen, // daz ir hat zcubrochen // minen rosen garten?"

Fischerle wird von den Mitmenschen misshandelt und träumt, vor dem Schachbrett sein ganzes Leben verbringen zu können, um nie mehr diskriminiert zu werden.

Dem oben Behandelten zufolge ist Ambivalenz des Wortes „Zwerg" ein wichtiges Objekt der Untersuchungen in der Sprachwissenschaft und Literaturwissenschaft. Es wurde anhand der Zitate und logischen Schlussfolgerungen bewiesen, dass die Figur des Zwerges einen Wandel vornahm: Das Magische wur-

de ausgelassen und negative Eigenschaften prägten vermehrt das Bild des Zwerges. Das Problem der Darstellung des Zwerges in den mittelalterlichen und gegenwärtigen deutschsprachigen Texten und die Verwendung dieses Lexems in der Vielfältigkeit ihrer Bedeutungen, stellt eine breite Perspektive dar und lässt sich anhand der weiteren theoretischen Werke und praktisch gezielten wissenschaftlichen Arbeiten weiter untersuchen.

Literaturverzeichnis

1 Canetti E. Die Blendung. Wien : Herbert Reichner Verlag 1974.

2 Lienert, E. Laurin. 1. Einleitung, ältere Vulgatversion, "Walberan". Berlin : de Gruyter 2011.

3 Afanassjew, A. Slavjanskaja mifologija. Moskva : EKSMO 2008.

4 Anderson L, Lull J. „A Certain Text": Close Readings and Textual Studies on Shakespeare and Others in Honor of Thomas Clayton. London : Rosemont Publishing&Printing Corp. 2002.

5 Duden . Das Herkunftswörterbuch, Etymologie der deutschen Sprache. Band 7. Mannheim : Dudenverlag21989.

6 Falk, H. Wortschatz der germanischen Spracheinheit. Göttingen : Vandenhoeck & Ruprecht51979.

7 Fussy H.; Steiner U. Österreichisches Wörterbuch Wien : ÖBV & hpt VerlagsgmbH & Co. KG392001.

8 Lienert, E. Laurin. 2. „PressburgerLaurin", „Dresdner Laurin", jüngere Vulgatversion, Verzeichnisse. Berlin : de Gruyter 2011.

9 Wahrig Digital.

УДК 821.112.2 О.М. Марал

Венский государственный университет факультета педагогики, славистики и германистики, Вена

страх перед толпой В «записках мальте лауридса бригге»

Аннотация. Данная статья посвящена теме «Страх перед толпой» в литературном дискурсе на примере романа Райнера Марии Рильке «Записки Мальте Лауридса Бригге». Данная тема актуальна по следующим причинам: исследования в области литературоведения, психологии и социологии, а также изображение страха перед толпой в литературном дискурсе в настоящее время представляют большой интерес по причине возрастающих проблем внутри общества (в данном случае - места отдельного человека в обществе и его эмоционального состояния, а также поведения в отношении к другим членам общества), а также их возможных решений, для чего необходимы научные знания по данному вопросу. В данной работе произведен анализ изображения страха перед толпой в творчетсве Р.М. Рильке, а также его конкретного романа «Записки Мальте Лауридса Бригге» со ссылками на автобиографические черты данного произведения.

Ключевые слова: страх, Рильке, толпа, Мальте Лауридс Бригге.

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