Научная статья на тему 'Искусствоведческая рецензия в массово-информационном дискурсе. Лингвистический аспект'

Искусствоведческая рецензия в массово-информационном дискурсе. Лингвистический аспект Текст научной статьи по специальности «Языкознание и литературоведение»

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Ключевые слова
РЕЦЕНЗИЯ / ИСКУССТВОВЕДЧЕСКАЯ КРИТИКА / ЕЖЕДНЕВНЫЕ И ЕЖЕНЕДЕЛЬНЫЕ ПЕРИОДИЧЕСКИЕ ИЗДАНИЯ / ЛИНГВИСТИЧЕСКИЙ АНАЛИЗ / REVIEW / ART CRITICISM / DAILY AND WEEKLY NEWSPAPERS / LINGUISTIC ANALYSIS

Аннотация научной статьи по языкознанию и литературоведению, автор научной работы — Рыжкова Татьяна Сергеевна

В данной статье рассматриваются лингвистические особенности искусствоведческой критики в современных ежедневных и еженедельных изданиях ФРГ. Цель исследования охарактеризовать искусствоведческую рецензию в СМИ как жанр массово-информационного дискурса.

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Текст научной работы на тему «Искусствоведческая рецензия в массово-информационном дискурсе. Лингвистический аспект»

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ФУНКЦИОНАЛЬНАЯ СТИЛИСТИКА Рыжкова Татьяна Сергеевна

Ассистент кафедры иностранных языков гуманитарных факультетов при факультете журналистики ФГБОУ ВПО "Алтайский государственный университет", г. Барнаул, Россия

УДК 81.00 ББК 81.001

ИСКУССТВОВЕДЧЕСКАЯ РЕЦЕНЗИЯ В МАССОВОИНФОРМАЦИОННОМ ДИСКУРСЕ. ЛИНГВИСТИЧЕСКИЙ АСПЕКТ

В данной статье рассматриваются лингвистические особенности искусствоведческой критики в современных ежедневных и еженедельных изданиях ФРГ. Цель исследования - охарактеризовать искусствоведческую рецензию в СМИ как жанр массово-информационного дискурса.

Ключевые слова: рецензия; искусствоведческая критика; ежедневные и еженедельные периодические издания; лингвистический анализ.

ART REVIEW IN MASS MEDIA DISCOURSE. LINGUISTIC ASPEKT

The article discusses linguistic aspects of art criticism in present German daily and weekly newspapers. The research aim is to describe the genre of art review in mass media discourse.

Key words: review; art criticism; daily and weekly newspapers; linguistic analysis.

Der vorliegende Artikel untersucht die zeitgenössische Kunstkritik in Tagesund Wochenzeitungen der BRD. Die wissenschaftliche Untersuchung stellt sich das Ziel, die Textsorte Rezension aus dem Bereich der deutschsprachigen Kunstkritik mit linguistischen Kriterien zu beschreiben und ihre Spezifik in Form von Arbeitsdefinitionen zu fixieren.

Schlüsselwörter: Rezension, Kunstkritik, Tages- und Wochenzeitungen, linguistische Analyse.

Untersucht werden in diesem Artikel weder die Kritik, die ein bestimmter Künstler oder ein bestimmter künstlerischer Stil erfahren haben, noch die Kritiken einer ausgewählten Kritikerpersönlichkeit. Vielmehr hat sich die Arbeit Kunstkritik als publizistische Form zu ihrem Untersuchungsgegenstand genommen. Dabei werden gegenwärtige Aufgaben der Kunstkritik in Zeitungen thematisiert. Es wurden Rezensionen der in Berlin im Jahre 2011 veranstalteten Ausstellungen aus den überregionalen Tageszeitungen «Frankfurter Allgemeine Zeitung», «Süddeutsche Zeitung», «die tageszeitung», «Die Welt», «Bild», überregionalen Wochenzeitungen «Die Zeit», regionalen Zeitungen «Berliner Zeitung» und «Berliner Morgenpost» untersucht. Die zu erarbeitenden Definitionen für die kunstkritische Rezension erfassen invariante Merkmale dieser Textsorte.

Um die Einschätzungen aus der Praxis in diese Arbeit einbeziehen zu können, habe ich die Studien einiger Kunstkritiker und Journalisten zum Kritikschreiben untersucht. Als Arbeitsgrundlage dienten Aufsätze der deutschen Kritiker und Publizisten, Artikel aus Ausstellungskatalogen, Enzyklopädien, Fachzeitschriften und Zeitungen. Außerdem wurden kulturhistorische und kulturpolitische Überblickswerke, kultursoziologische Untersuchungen verwendet.

Linguistische und sozialwissenschaftliche Studien zur Kommunikation über Kunst liegen trotz einer vielfältigen Erforschung von Rezeptionsphänomen aller Art vereinzelt und über ganz unterschiedliche Kontexte verstreut vor.

Die Frage nach der Sprache der Kunstkommunikation ist eine Frage, die vor allem Linguistik als Bezugsdisziplin herausfordert. Was kann Linguistik zur Rekonstruktion von Kunstkommunikation beitragen und welcher Art sind die Ergebnisse dieser Rekonstruktion?

Die Rekonstruktion der Erscheinungsformen der Kommunikationspraxis könnte dazu beitragen, nachzuzeichnen, wie im Schreiben über Kunst Gesehenes als Kunst hervorgebracht und aktualisiert wird. Es soll ein Anstoß gegeben werden, die Rekonstruktionsperspektive über die Linguistik hinaus durch die Vorstellung konkreter Untersuchungen zum Schreiben über Kunst zu entwickeln.

Das Schreiben über Kunst(werke) bezeichnet eine ebenso vielfältige wie weit verbreitete Kommunikationspraxis, die sich nicht auf bestimmte Parameter moderner Kommunikation beschränken lässt. Kunstkommunikation kann sich alltäglichspontan ergeben, aber auch professionell organisiert und institutionalisiert herbeigeführt werden, ebenso maßenmedial vermittelt, zum Beispiel in Form der urteilenden Texte, die ein begründetes Urteil aussprechen.

Ästhetische Gegenstände sind soziale Gegenstände, von Menschen produziert und rezipiert. Ästhetische Gegenstände müssten sich sinnvoll erklären und bewerten lassen. Erklären heißt ein Ereignis in seinen geschichtlich-sozialen Kontext einzubetten, ein neues, noch nicht gedeutetes Phänomen mit bekannten, gedeuteten Phänomenen der sozialen Welt argumentativ zu verknüpfen. Bewerten bedeutet, ein neues, noch unqualifiziertes Ereignis mit einem Maßstab zu messen, ihm argumentativ eine moralisch qualifizierende Schattierung zu geben [Schalkowski, 2011, S. 155-156]. Man stellt fest, welchen gesellschaftlichen Hintergrund sie haben - was sie erklärt- und wie gut sie eine bestimmte Funktion erfüllen - was ihre Qualität bestimmt.

Beim Schreiben müssen viele Sachen integriert und parallel verarbeitet werden: Die Formeln der Kritik, der Gegenstand und sein kultureller Kontext, die argumentative Fügung und die erzählerische Einfassung. Kunstkritik erhebt den Anspruch, Kunst im Medium der Sprache zu repräsentieren. Gleichzeitig ist Kunstkritik eine der schwersten Disziplinen der Zunft. Sie schreibt nicht über Werke, sondern über visuelle Eindrücke. Die Form der Nacherzählung, der Handlungsanalyse ist ihr nicht gegeben. Auch Emotionen, Konflikte zwischen Menschen ist nicht leicht zu vermitteln. Der Kunstkritiker steht der Herausforderung über ein nicht verbales Medium mit Worten zu schreiben.

Ein Text der Kunstkritik wiederholt nicht die Strukturen der Kunstwerke, sondern entwickelt ausgehend von ihrer Gestalt ein Angebot, wie über die fokussierte Kunst angemessen gesprochen werden kann. Kunstkritik hebt nicht nur Objekte und ihre Eigenschaften ab, sondern bezieht sich auf ästhetische Erfahrungen, Institutionen des Kunstbetriebs, den Diskurs. Die Kunstkritik verhält sich gegenüber den Objekten beschreibend, da sie versucht wesentliche Merkmale der Werke sprachlich zu vermitteln. Die Kunstkritik wird jedoch auf die Strukturiertheit des künstlerischen Werkes abheben und die Qualitäten seiner sinnlichen Anmutung in der Beschreibung aufnehmen. Solche Beschreibung erfolgt als Wiedergabe der Erfahrung, die der Kunstkritiker mit den Objekten der Kunst macht. Die Kunstkritik wird jedoch ihren Blick nicht einseitig auf Kunstwerke als Objekte sowie damit verbundenen Erfahrungswerte beschränken, sondern immer die Bedingungen wahrnehmen, unter denen Kunsterlebnisse zustande kommen. Sie ist aufmerksam für die Institutionen des Kunstbetriebes. Die Kritik sollte neben der Qualität der Werke auch die Formen ihrer Darbietung wie Fragen thematisieren. Kunstkritik beschäftigt sich nicht nur mit künstlerischen Artefakten, sondern auch mit den Diskursen, die diese Artefakten begleiten. Die Kunstkritik als einzelner Text hat eine ganze Reihe von Aufgaben abzuarbeiten und die Ergebnisse dieser Prozesse miteinander zu koordinieren. Sie klärt komplexe Beziehungsgefüge zwischen Objekt, Erfahrung, Institution und Diskurs.

Als Hauptelemente der Kunstkritik als Textes können folgende Elemente bezeichnet werden:

1. Wahrnehmung

„Der unmittelbaren Wahrnehmung den Vorrang zu geben“ bietet die unverzichtbare Grundlage jeder gelingenden Kunstkritik [Imdahl, 2005, S.156]. Wahr-

nehmung bildet den Ausgangspunkt der Beschäftigung mit dem Kunstwerk, weil der Kunstkritiker wenigstens in der Form eines Gedankenexperiments den Versuch unternehmen kann, seinem Sehen eine Unmittelbarkeit zu geben, die vielfältige Information zunächst ausblendet. Zugleich gibt sich Rechenschaft über sein Verhältnis zu der wahrgenommenen Kunst, man prüft die eigenen positiven wie negativen Reaktionen.

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2. Information

Sie ist Basis und ausgleichendes Gegenstück der Wahrnehmung. Sie ist unverzichtbar, weil die Kunstkritik als journalistischer Text auch die Aufgabe hat, Leser über ein Ausstellungs- und Kunstereignis soweit ins Bild zu setzen, dass sie in der Lage sind, dessen unmittelbare Zusammenhänge aufzunehmen. Informationen zu Künstlern, Ausstellungort, kunstgeschichtlichem Kontext und anderen Punkten bieten die Grundlage dafür, das wertende Urteil nicht nur an der eigenen Wahrnehmung ausrichten zu müssen.

3. Transfer

Man kann ihn als Suche nach strukturellen Ähnlichkeiten zwischen Merkmalen der gefassten künstlerischen Position und allgemeinen Zeiterfahrungen verstehen.

4. Urteil

Ein „Urmeter“, mit dem sich Kunst problemlos messen ließe, hat natürlich kein Kritiker zur Hand [Wagner, 2001, S. 249]. Das Bewusstsein für Standarts ist gering in der Welt der bildenden Kunst entwickelt [Wolfgang, 2004, S. 91]. Das macht ästhetisches Urteil nicht unmöglich, erhöht aber die Anforderungen an den Kunstkritiker, der sich vor allem auf das verlassen muss, was er erarbeitet hat.

Diese Elemente berühren unterschiedliche Aspekte und sorgen dafür, dass die Kunst in unterschiedlicher Weise zur Sprache kommt. Der Kunstkritiker teilt in sachlicher Weise Fakten mit, schildert aber Beobachtungen, entfaltet Analysen und spricht noch Empfehlungen aus. Die Kunstkritik als journalistische Textsorte besitzt ihre eigene von der Kunst abweichende Struktur, die selbst als „ ästhetische Einheit“ angesprochen werden kann [Porombka, 2006, S. 184]. Diese Einheit entsteht dadurch, dass alle Elemente integriert und zu einem Verlauf gefügt werden, der helfen soll den Leser als Rezipienten der Kritik zu faszinieren.

Ein festes Ablaufmodell der Kunstkritik ist schwer herzustellen. Der folgende Überblick der möglichen Modelle aus den wissenschaftlichen Studien soll aber eine Grundlage bieten, interne Organisation und Wirkungsweise der Kunstkritik als Text genauer zu beschreiben. Die Kategorien dienen dazu, eine einheitliche hermeneutische Harangehensweise an die einzelnen Berichte zu sichern, eine Vergleichbarkeit der Einzelbetrachtungen herzustellen und eine Transparenz der Untersuchung zu gewährleisten.

Dr. Edmund Schalkowski wählt Beschreibung, Beurteilung, Information über Autor und Werk als Bausteine der Kunstkritik.

Beschreibung heißt den Werk zu bezeichnen von Seiten der objektivbaren Daten und Fakten. Es ist so genannte Sachbasis. Urteil und Argumentation machen die Substanz der Kritik aus und sind aus der ästhetischen Reflexion resultiert. In-

formation zu Autor und Werk schattiert das neue Produkt [Schalkowski, 2011, S. 209].

Dieses Standartschema (Beschreibung - Beurteilung - Information über Autor und Werk) schafft ideale Voraussetzungen für das Verständnis. Der Leser kann sich problemlos im Text orientieren, weiß wo Faktenbasis wo Einschätzung ist. Aber starre Reihenfolge lässt dem Kritiker keinen Spielraum, den Textbau zu variieren. Und so werden die geschlossenen Blöcke öfter auflöst. Beschreibung zerfällt in die Exposition, Entwicklungsphasen, Originalmaterial. Beurteilung wird in wenigen Sätzen zusammengefasst, in einzelnen Argumentationsschritten, die dorthin geführt haben [Schalkowski, 2011, S. 212].

Schalkowski bezieht sich auch auf die Frage nach dem angemessenen Einstieg in den Text und unterscheidet:

1. Einstieg mit einer Szene, einem Detail oder einem Zitat, der den Leser durch sinnliche Evidenz fesselt.

2. Einstieg mit dem Urteil, der den Leser mit dem Paukenschlag einer pointierten Stellungnahme durchschüttelt

3. Einstieg mit einer Anspielung auf Werk oder Leben des Autors, der den Leser über das biographische oder werkgeschichtliche Interesse an das neue Werk heran führt. Voraussetzung dazu ist ein gewisser Bekanntheitsgrad des Autors und seines Werks.

4. Einstieg mit einer Sentenz, der mit einer pointierten Aussage den Bogen zwischen allgemein geistigen, geschichtlich- kulturellen Tendenzen und dem Kunstwerk schlägt [Schalkowski, 2011, S. 214-216].

Autorin und Journalistin Christina Tilmann schlägt folgendes Modell vor:

1. Einstieg mit einer Anekdote, einer Szene oder einem Zitat, die den Leser in den Text ziehen und die Lust zum Weiterlesen wecken.

2. Volkshochschulteil, der in geraffter, knapper Form die wesentlichen Informationen zur Ausstellungen, Künstlern und Werken bringt. Dieser Teil sollte nicht zu spät kommen, um dem Leser zu helfen, sich eine Vorstellung von der Größe und Bedeutung des Unternehmens zu machen.

3. These, Kritik der These. Eine gute Kunstkritik soll immer klar zeigen, warum sie dieses spezifische Detail erwähnt, einen gedanklichen Pfad durch die Ausstellung finden und gleichzeitig eine Position dazu behaupten.

4.Zugeständnis und Schlusspointe. Eine Schlusspointe, die den Text abrundet und den Leser aus dem Text entlässt (Zitat, Gedanke, Aphorismus, Provokation) [Tilmann, 2005, S. 146-150].

Aus folgenden Modellen stellt es sich fest, der Einstieg soll nicht nur das Leserinteresse wecken, sondern auch die Reihenfolge der weiteren Elemente beeinflussen. Gängige Lösungen für den Einstieg sind zum einen die Beschreibung als szenische Schilderung und zum anderen sofort geäußertes Urteil. Die Beschreibung stellt dem Leser die Kunst vor Augen und breitet damit Material für weitere argumentative Schritte. Der Faktenteil sollte nicht zu umfangreich ausfallen, damit der Text nicht an Tempo verliert. Das Urteil definiert eine Vorentscheidung. Ästhetisches Urteil muss aber nicht als schlichte Entscheidung auf der Grundlage der er-

arbeiteten Schritte, sondern kann differenziert ausfallen. Der Schluss schließt wieder den Bogen zum Einstieg oder entlässt den Leser mit einer Pointe, die in eine unerwartete Richtung weist. Es geht aber nicht allein um den Aufbau eines erzählerischen Spannungsbogen, Kunst wird nicht nur beschrieben sondern auch mit Informationen, Reflexionen, Vergleichen frontiert.

Der nachfolgende Überblick soll dazu dienen, die möglichen linguistisch in den Blick kommenden Aspekte in einer vorläufigen Weise zu erfassen. Am Be i-spiel der Ausstellungskritik in Form einer Rezension wird illustriert, welches Bild sich auf einen speziellen Typ von Kommunikation über Kunst ergibt.

Die kunstkritische Rezension zählt zu den populärsten und traditionsreichsten Genres in der Kunstkritik. Ihre Entwicklung zu einer aktuellen kunstanalysierenden und wertenden Textsorte ist historisch eng mit der Entwicklung des Journalismus und des Kunstmarktes verbunden. Die Kunstrezension muss dem Leser eine grundlegende Orientierung geben und kann in bestimmten Fällen zum Ausgangspunkt kunstkritischer Diskussion werden.

Das dominierende kommunikative Ziel der Kritik dieser Art ist es, durch einen von der Zeitung bestellten Kritiker den Rang eines öffentlich zu beurteilenden Ereignisses zu beurteilen und öffentlich feststellen lassen. In großen, überregionalen Zeitungen wird allein durch die Tatsache, dass eine Ausstellung den Raum eines Artikels in dieser Zeitung beanspruchen darf, dem Ereignis bereits ein gewisser Rang zugeordnet. Damit hat der Text eine deklarative Funktion, er stellt Sachverhalte nicht nur dar, sondern er stellt selbst relevante Sachverhalte her.

Entgegen landläufiger Meinung hängt der Standard der Kunstkritik nicht von der Qualität der Kunst ab, sondern von der Kompetenz des Kritikers.

Das Augenmerk richtet sich hier auf usualisierte, musterhaft verfestigte Charakteristika der Kunstrezension. Auf der Grundlage invarianter Merkmale wird versucht, die Spezifik der kunstkritischen Rezension sichtbar zu machen.

Typische Inhalte ergeben sich aus dem Textgegenstand (Aufführungsort und -zeit, Künstler, Wirkungen auf Publikum) sowie aus der Tatsache, dass der Textgegenstand ein zu bewertender ist.

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Die dominante Textfunktion verbindet sich zusammen mit weiteren Textfunktionen und daraus resultierenden Texthandlungen zu einer bestimmten typischen Abfolge, die freilich auch variiert werden kann.

Aus der interdisziplinären Stellung, der dominierenden kommunikativen Funktion, dem Gegenstand und Rezipientenkreis resultieren bestimmte sprachlich objektivierte Textsortenmerkmale der kunstkritischen Rezension. Der Rezipientenkreis ist vielfältig und stark heterogen. Das Verhältnis von Produzent und Rezipient kunstkritischer Rezensionen kann hinsichtlich ihrer fachlichen Präsuppositio-nen symmetrisch oder asymmetrisch sein, wobei der Rezipient dem Produzenten im fachlichen Wissen häufig auch überlegen sein kann. In jedem Fall muss sich der Kunstkritiker der Heterogenität des zu erreichenden Rezipientenkreis bewußt sein und seinen Text entsprechend gestalten. Der Kritiker begibt sich nicht in den Status des belehrenden Kunstvermittlers, sondern vielmehr in den des gleichrangigen

Partners, der für den Leser auf aktuelle Kunstwerke reagiert, diese analysiert, wertet und nach subjektivem Verständnis und Geschmack empfiehlt oder davon abrät.

Die dominierenden kommunikativen Intentionen des Kunstkritikers sind das sach- und erlebnisbetonte Informieren, des Interessieren, Überzeugen, Mobilisieren und das Klären. Damit wird auf den deskriptiven, argumentativen und erörternden Charakter der kunstkritischen Rezension verwiesen.

Von besonderer Bedeutung ist in einer Rezension das Erörtern. Der Kritiker teilt wesentliche Eindrücke und inhaltliche Fakten mit, bietet dem Leser in der Verarbeitung seines eigenen Kunsterlebnisses verschiedene Aspekte in der Betrachtung der Kunstwerkes. Wesentlichen Anteil am Überzeugen hat das Werten des Kunstwerkes durch den Kritiker. Die fachlich sichere und logische Wertung von Sachverhalten und die wahrhaftig wirkende Darstellung der Empfindungen des Kunstkritikers können und sollen auf diesem Wege die rationale und emotionale Überzeugung des Rezipienten bewirken.

Zu den primären Mitteln, die nötig sind, um über Kunst zu kommunizieren, gehört eine einschlägige Lexik: Wörter und Ausdrücke, die üblich sind um das Gemeinte zu benennen, zu beschreiben und zu bewerten. Die Schwierigkeit, sinnlich Wahrgenommenes in seinen Eigenschaften so zu beschreiben, dass sich ein Rezipient ein zutreffendes Bild von dem macht, was der Emittent wahrgenommen hat (so genannte „Unsagbarkeit“) gilt oft als Hindernis für die Kommunikation über die bildende Kunst. Sie mag zu einen eine wichtige Ursache für die Herausbildung von Ausdrucks- und Metapherntraditionen sein, zum anderen auch bewirken, dass Kommunikanten eine grundsätzliche Unsicherheit mit der Kommunikation über Kunst verbinden, die sie unter anderem auf lexikalische Lücken im System ihrer Sprache zurückführen.

Aus den oben genannten Inhalten resultieren mehrere Gruppen von Ausdrucksmitteln, die in einer Kunstkritik erwartbar sind:

1. Lexeme und komplexe Ausdrücke, mit denen Gegenstände und Sachverhalte aus dem Themabereich bezeichnet und beschrieben werden, Mittel zum Ausdruck von Bewertungen, zur Bezeichnung eines Grades auf einer Rangskala und zur Verknüpfung mit Vergleichsgrößen.

2. Wörter und Stilmittel, die Expressivität signalisieren, Mittel zur Bezeichnung der Ich-Perspektive des Verfassers und ganze Metaphernsysteme und Gruppen von bildhaften Vergleichen.

3. Mittel, die typisch für diskursive Texte sind, nämlich dort, wo es um urteilstützende Beobachtungen und Begründungen geht (z.B. Modalisierungen mit vielleicht, wohl, schien)

4. das Ineinanderfließen von Beschreibungen, Deutung und Beurteilung in ein und demselben Ausdruck, in ein und demselben Satz. Zum Teil ist es auch eine Folge der relativ komprimierten Textstrukturen eines Zeitungsartikels, der sich im Raum beschränken und das Leseinteresse in medienspezifischer Weise auf sich ziehen muss.

5. Gegensatzbeziehungen, Explikationen, Graditions- und Vergleichsbezeichnungen.

6. Metapherentfaltungen und -verknüpfungen, die in einem Text aufgebaut werden.

Dominierend treten Stilfiguren semantischer Expressivität und emotionalexpressive lexikalische Einheiten auf. Im Folgenden werden einzelne Figuren und ihre Auswirkung erklärt.

• Die Parenthese erfüllt vor allem die Funktion, die Aussage des Kritikers zu illustrieren, sie in präzisierender Form zu explizieren und in ihrem Wahrheitsgestalt zu bestärken.

• Metonymie und Synekdoche treten sehr häufig auf und verlieren im Prozess der Lexikalisierung mitunter ihre expressive Wirkung.

• Kontextuelle Synonyme verdeutlichen das Sterben der Kritiker, verschiedene Seiten des gleichen Denotats hervorzuheben.

• Deutliches Zeichen für das Streben nach Expressivität in der Kunstrezension sind charakterisierende Epitheta. Mit ihnen demonstrieren die Kritiker sprachliche Kreativität, überraschende Wortschöpfungen.

• Poetizität wird durch den Einsatz von expressiven Autorenmetaphern erzielt.

• Rhetorische Fragen veranlassen den Leser, sich in die Position des fragenden Kritikers zu begeben und eine aktive Haltung im Kommunikationsprozess einzunehmen.

• Die Wirkung von Hyperbel beruht auf semantisch-lexikalischer Expressivität. Der Leser wird mit Nachdruck auf etwas vom Autor außergewöhnlich Eingeschätztes hingewiesen.

• Textstrukturierende Stilfiguren v.a. der Nachtrag, die Aufzählung, das Asyndeton, die Schillerfigur, die Anapher sind als typische Formulierungvarianten besonders geeignet.

• Die Aufzählung, besonders die unverbundene Aufzählung oder das Asyndeton, widerspiegeln das Streben nach Sprachökonomie.

• Die Schillerfigur widerspeigelt den argumentativen Charakter der Rezension. Durch die Vorausnahme des Negierten, des Nicht-Zutreffenden, rückt die gültige Aussage in eine exponiert-betonte Stellung.

• Antonyme zeigen von der widerspruchsbewussten Analysehaltung des Kritikers. Das scheinbare Nebeneinanderexistieren semantisch gegensätzlicher Bezeichnungen zeugt von einer ausgewonnenen Sicht des Kritikers auf seinen Gegenstand, von dessen Erkennen der im Gegenstand aufgebenen Dialektik. Die Formulierung von Antonympaaren (wie auch von Synonympaaren) kann aber leicht zur gegenstandslosen Routine werden und ist der Überzeugungskraft derartiger Formulierung eher abträglich.

• Die Alliteration ist ein wirkungsvolles rhetorisches Element. Die Textaussage wird durch phonetische Parallelität um rhythmische Akzente bereichert.

• Von stilistischer Relevanz ist der expressive Vergleich, der von den Kritikern sparsam aber wirkungsvoll eingesetzt wird und somit bezeichnend ist für ihr fachsprachliches und rhetorisches Können.

• Insgesamt zeigen die Ergebnisse der Stilanalyse, dass die kunstkritische Rezension wesentlich determiniert wird durch quantitativ bedeutsame Stilfiguren und

expressive Sprachmittel (Parenthese, Metonymie, Metapher, charakterisierende Epitheta, rhetorische Frage, Hyperbel) und qualitativ bedeutsame Stilfiguren (Nachtrag, Aufzählung, Schillerfigur, Alliteration, kontextuelle und lexikalisierte Antonymie und Synonymie, Wiederholung, expressiver Vergleich), und individualstilistische Besonderheiten.

Fazit

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Die Kunstrezension als eine funktional-thematische Variante der Textsorte Rezension ist eine bestimmte Fachtextsorte der kunstkritischen Kommunikation. Als solche besitzt sie eine spezifische kommunikative Funktion und ist wesentlich dadurch gekennzeichnet:

- dass sie Resultat subjektiver Rezeption, Verarbeitung, Analyse und Wertung

ist;

- dass sie über eine grobgliedrige funktional-inhaltliche textsortenspezifische Makrostriktur verfügt;

- dass sie über metakommunikative Äußerungen verfügt, die auf die Organisation der Makrostruktur gerichtet sind;

- dass solche kunstwissenschaftlichen Termini vorherrschen, die sich durch einen relativ hohen Grad an Allgemeinverständlichkeit auszeichnen und zum Teil individuell geprägt werden;

- dass textstrukturierende Stilmittel des Journalismus mit großem Wirkungsgrad eingesetzt werden;

- dass die Kunstrezensionen nach Sprachökonomie, sprachlicher Überzeugungskraft und emotionaler Expressivität streben und diese vor allem situativ gebildete Neologismen, charakterisierende Epitheta, expressive Vergleiche, Metaphern erreichen;

- dass die pragmatische Textdimension besonders aufgeprägt ist und vor allem über Kontaktformulierungen des Textproduzenten realisiert wird.

Die Integration vielfältiger Aspekte und Schreibweisen sowie die Ausrichtung auf das Leseverhalten der Rezipienten machen deutlich, dass die Kunstkritik und ihre Sprache nicht allein daran gemessen werden können, ob sie den Kunstwerken und ihrer Gestalt möglichst nahe kommen. In den Massenmedien verfolgt die Kunstkritik eine eigene Strategie der Wirkung auf ihre Leser.

Dass Kritiken in der Gegenwart für die Gegenwart geschrieben werden, ist durch neue Technologien bedingt, mit denen immer schneller immer größere Auflagen gedruckt werden können.

Dass sie relativ kurz und prägnant ausfallen, erzwingt die Erscheinungsweise der Zeitungen und Zeitschriften, die selbst keinen großen Umfang haben und relativ schnell durch eine neue Ausgabe abgelöst werden.

Dass sie Orientierung schaffen und zugleich zur Steigerung von Orientierungslosigkeit beitragen, ist durch Inflationierung von Publikationen bedingt, die von den Kritikern beobachtet und mit jeder Kritik immer auch befördert wird.

Die Kritiken können nicht mehr rigoros mit überzeitlichen und allgemein gültigen Regeln operieren, sondern müssen jeden Gegenstand aufs Neue betrachten, analysieren und bewerten.

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ЛИНГВОПОЛИТ ОЛОГИЯ Меркурьева Вера Брониславовна

Доктор филологических наук,профессор кафедры немецкой филологии ФГБОУ ВПО «ИГЛУ», г. Иркутск, Россия Костина Ксения Викторовна

Кандидат филологических наук,старший преподаватель кафедры иностранных языков для гуманитарных специальностей ФГБОУ ВПО «НИ ИрГТУ», г. Иркутск, Россия

УДК 811.112.2 ББК 81.432.4.

ЯЗЫКОВАЯ РЕПРЕЗЕНТАЦИЯ ОБРАЗА РОССИЙСКИХ ПРЕЗИДЕНТОВ В СОВРЕМЕННОМ НЕМЕЦКОЯЗЫЧНОМ

МЕДИАДИСКУРСЕ

Статья посвящена образу российских президентов в языковом воплощении современного немецкого медиадискурса. С целью выявления ценностных смыслов, заложенных в сообщениях медиадискурса, исследуются лингвистические средства, используемые немецкими журналистами для оценивания политических руководителей России.

Ключевые слова: медиадискурс; аксиологические характеристики; ценностный смысл; шкала оценивания.

THE LINGUISTIC REPRESENTATION OF THE RUSSIAN PRESIDENTS4 IMAGE IN MODERH GERMAN-LANGUAGE MEDIA

DISCOURSE

The article is devoted to the image of Russian presidents in the linguistic representation of modern German-language mass media. To discover the value concepts of mass media information the linguistic means used by German journalists to estimate the political leaders of Russia are analyzed.

Key words: media discourse; axiological characteristics; value concept; evaluation scale.

Наше исследование выполнено в контексте изучения экстраобраза (представления о других народах) России. По мнению Е.Ф. Тарасова, образ России у иностранцев «складывается в результате речевого воздействия СМИ и частично из впечатлений, вынесенных из непосредственного знакомства со страной» [Тарасов, 2006, с. 69]. Целостный образ страны создается в совокупности многочисленных факторов: исторических, политических, экономических, культурных, социально-психологических и лингвистических. Немцы судят о России по деятельности президента, по участию страны в междуна-